Aus Liebe zu Lebensmitteln
Handelsblatt vom 28. September 2011
Die Edekabank tut, was Geldhäuser sonst eher vermeiden:
Sie fokussiert sich auf eine einzige Branche.
Die Unternehmenskunden schätzen die Expertise des Instituts
Sie fokussiert sich auf eine einzige Branche.
Die Unternehmenskunden schätzen die Expertise des Instituts
Bodo Schlickeisen liebt Lebensmittel. Der 47-Jährige übernahm 2004 einen Edeka-Markt im Ostseebad Dierhagen und erwarb später einen weiteren Markt in Graal Müritz - ebenfalls auf dem Darß in Mecklenburg-Vorpommern gelegen. Vor drei Jahren nutzte er die Möglichkeit, die sich ihm in der Hansestadt Rostock bot. Jetzt ist Schlickeisen gemeinsam mit seiner Frau Susanne Inhaber von drei Supermärkten und beschäftigt mittlerweile 126 Mitarbeiter.
Dieser zielstrebige Aufbau ist im Einzelhandel keinesfalls selbstverständlich. In der Kreditwirtschaft wird die Branche stets kritisch beäugt. Hohe Risiken, geringe Eigenkapitalquote, geringe Margen - das schlechte Image ist ein Handicap, wenn es darum geht, einen Kredit zu bekommen. "Bei einer konventionellen Bank hat der Lebensmitteleinzelhandel immer Erklärungsbedarf. Ich begegne da stets einer gewissen Skepsis", urteilt Schlickeisen.
Edekabank unterhält keine Filialen
Darauf wiederum hatte der Unternehmer keine Lust und entschied sich, die verbundeigene Edekabank zu seiner Hausbank zu machen. "Die Edekabank ist in unserer Branche wie kein anderes Institut im Thema. Da muss ich nicht viel erklären", beschreibt Schlickeisen die Vorzüge.
Für den klassischen Privatkunden ist die Edekabank praktisch nicht existent. Die in Hamburg ansässige Bank unterhält keine Filialen, sondern arbeitet mit Kundenberatern, die auf die Edeka-Einzelhändler zugehen. Unterlagen wie Kredit- oder Förderanträge werden in der Zentrale bearbeitet. In der Edeka-Gruppe, die für sich die führende Stellung im deutschen Lebensmitteleinzelhandel reklamiert, sind 4500 selbstständige Lebensmitteleinzelhändler vereint - für zwei Drittel ist die Edekabank die Hausbank.
Das Institut, das im genossenschaftlichen Bankensektor verankert ist, wird als Aktiengesellschaft geführt. Zu den Aktionären gehört beispieisweise die DZ Bank. Die Edekabank blickt auf eine lange Historie zuruck. Gegründet wurde die Bank 1914 mit dem Ziel, Mittel für die Finanzierung der damaligen Kolonialwarenhändler bereitzustellen. "Das ist bis heute so und hat sich auch in der Finanzmarktkrise bewährt", sagt Vorstandsprecher Jürgen Manegold.
"Stockkonservativ" sei das Geschäftsmodell. "Einlagen von unseren Edeka-Kunden transformieren wir in Investitionen in der Edeka-Gruppe - was idealerweise fast ein geschlossener Kreislauf ist", so Manegold. Eine Kreditklemme habe es auch zu Hochzeiten der Finanzmarktkrise nicht gegeben. "Wir konnten alle vertretbaren Kreditwünsche jederzeit erfüllen", so Manegold. Als auf Gewerbekunden orientierte Handelsbank könne man die Wirtschaftlichkeit der zu tätigenden Investitionen der Kunden auch selbst beurteilen.
Bei den Investitionen geht es um Ware, Inventar und Gewerbeimmobilien. Hier können die Edekabank-Experten auf Augenhöhe mit ihren Kunden kommunizieren, da sie wissen, wie groß der durchschnittliche Warenbestand pro Quadratmeter sein sollte und welche Rentabilität zu erwarten ist. Die Spezialisierung der Edekabank auf den Einzelhandel bedeutet aber für Manegold nicht per se eine Risikokonzentration. "Unsere Differenzierung des Risikos besteht in der Differenzierung in der Fläche. Wir haben Kunden von Flensburg bis Passau - und die Menschen in unterschiedlichen Regionen haben unterschiedliche Anspruche an Essen und Trinken", sagt Manegold.
Die abgeklärte Herangehensweise der Bank weiß Unternehmer Schlickeisen zu schätzen. "Als ich meinen dritten Lebensmittelmarkt aufmachte, war klar, dass das die Rentabilitätsrechnung erst einmal belasten würde. Aber bei der Bank ist keiner nervös geworden." Schließlich sei die Investition für das gesamte Unternehmen sinnvoll gewesen.
Erfolg mit Exlstenzgründern
In puncto Geschwindigkeit konnte sich der Unternehmer auf seine Bank verlassen. Unerwarteterweise erhielt er Ende 2010 parallel für seine beiden Märkte auf dem Darß grünes Licht von den Ämtern für Erweiterungs- und Modernisierungsarbeiten. Auf jeweiIs 1200 Quadratmetern Verkaufsfläche erstrecken sie sich nun. "Da beide Märkte Saisonstandorte sind, musste es schnell gehen. Dank der zügigen Kreditbewilligung durch die Edekabank konnte ich die 1,5 Millionen Euro Investitionen innerhalb eines Vierteljahres durchziehen und war rechtzeitig vor der Sommersaison fertig", zieht Schlickeisen zufrieden Bilanz.
Aus dem ehemaligen Existenzgründer ist ein gestandener Unternehmer geworden, der in diesem Jahr auf einen Umsatz von 22 Millionen Euro kommt und seine Eigenkapitalquote innerhalb von sieben Jahren auf 55 Prozent erhöht hat - ein für den Einzelhandel extrem hoher Wert.
Der Erfolg des Unternehmers ist kein Zufall. "Wir sind in der Edeka eine der größten Existenzgründungsorganisationen in Deutsch-
land", sagt Edekabank-Sprecher Manegold. Zwischen 2005 und 2010 begleitete die Bank rund 800 Existenzgründungen im Lebensmittel-einzelhandel und unterstützte diese mit einem Investitionsvolumen von 450 Millionen Euro. Allein 2010 entfiel die Hälfte der Kreditzusagen in Höhe von 200 Millionen Euro auf Existenzgründungen.
Nach Einschätzung Manegolds zeigt der Trend für die Eigenkapitalausstattung der Edeka-Lebensmitteleinzelhändler seit Anfang 2000 nach oben. Das belegten Auswertungen der Kundenbilanzen. Die Eigenkapitalquote im Handel sei natürlich noch nicht so hoch wie bei produzierenden Unternehmen, aber die Schere werde immer kleiner. Das wirke sich natürlich auch positiv auf das Kreditportfolio der Bank aus. Die Bank beschäftigte Ende 2010 125 Mitarbeiter, die Bilanzsumme liegt bei 1,3 Milliarden Euro.
Nach dem "ausgesprochen gut" gelaufenen Geschäftsjahr 2010 erwartet Manegold für 2011 ein operatives Ergebnis in Vorjahreshöhe. Die Prognosen für die Branche sind nicht schlecht. So erwartet der deutsche Einzelhandel ein Wachstum von nominal 1,5 Prozent in diesem Jahr - mit einer Abschwächung im zweiten Halbjahr.
Philosophie der Bank sei es, die Geschäftsexpansion ohne Inanspruchnahme der Aktionäre zu finanzieren. Und auch die neuen Eigenkapitalanforderungen nach Basel III sollen aus eigener Kraft gestemmt werden. Aus diesem Grund werden Gewinne thesauriert - nach Zahlung einer Dividende.
Bank im Verbund
Genosssen Die Edeka-Gruppe gehört zu den 320 Verbundgruppen mit 230000 Unternehmen, die in Deutschland über den Mittelstandsverbund ZGV organisiert sind. Kooperierende Unternehmen gelten als unterdurchschnittlich insolvenzgefährdet.
Wettbewerber Einige Verbundgruppen betreiben bereits eigene Bankinstitute mit Vollbanklizenz. Dazu gehören neben der Edekabank auch der Handelsfinanzierer DZB Bank und die Etris Bank, die Anfang 2012 ihre Geschäfte aufnimmt. Die Etris Bank ist eine Tochter des Einkaufsbüros Deutscher Eisenhändler und soll für diese Branche Dienstleistungen erbringen.
Dieser zielstrebige Aufbau ist im Einzelhandel keinesfalls selbstverständlich. In der Kreditwirtschaft wird die Branche stets kritisch beäugt. Hohe Risiken, geringe Eigenkapitalquote, geringe Margen - das schlechte Image ist ein Handicap, wenn es darum geht, einen Kredit zu bekommen. "Bei einer konventionellen Bank hat der Lebensmitteleinzelhandel immer Erklärungsbedarf. Ich begegne da stets einer gewissen Skepsis", urteilt Schlickeisen.
Edekabank unterhält keine Filialen
Darauf wiederum hatte der Unternehmer keine Lust und entschied sich, die verbundeigene Edekabank zu seiner Hausbank zu machen. "Die Edekabank ist in unserer Branche wie kein anderes Institut im Thema. Da muss ich nicht viel erklären", beschreibt Schlickeisen die Vorzüge.
Für den klassischen Privatkunden ist die Edekabank praktisch nicht existent. Die in Hamburg ansässige Bank unterhält keine Filialen, sondern arbeitet mit Kundenberatern, die auf die Edeka-Einzelhändler zugehen. Unterlagen wie Kredit- oder Förderanträge werden in der Zentrale bearbeitet. In der Edeka-Gruppe, die für sich die führende Stellung im deutschen Lebensmitteleinzelhandel reklamiert, sind 4500 selbstständige Lebensmitteleinzelhändler vereint - für zwei Drittel ist die Edekabank die Hausbank.
Das Institut, das im genossenschaftlichen Bankensektor verankert ist, wird als Aktiengesellschaft geführt. Zu den Aktionären gehört beispieisweise die DZ Bank. Die Edekabank blickt auf eine lange Historie zuruck. Gegründet wurde die Bank 1914 mit dem Ziel, Mittel für die Finanzierung der damaligen Kolonialwarenhändler bereitzustellen. "Das ist bis heute so und hat sich auch in der Finanzmarktkrise bewährt", sagt Vorstandsprecher Jürgen Manegold.
"Stockkonservativ" sei das Geschäftsmodell. "Einlagen von unseren Edeka-Kunden transformieren wir in Investitionen in der Edeka-Gruppe - was idealerweise fast ein geschlossener Kreislauf ist", so Manegold. Eine Kreditklemme habe es auch zu Hochzeiten der Finanzmarktkrise nicht gegeben. "Wir konnten alle vertretbaren Kreditwünsche jederzeit erfüllen", so Manegold. Als auf Gewerbekunden orientierte Handelsbank könne man die Wirtschaftlichkeit der zu tätigenden Investitionen der Kunden auch selbst beurteilen.
Bei den Investitionen geht es um Ware, Inventar und Gewerbeimmobilien. Hier können die Edekabank-Experten auf Augenhöhe mit ihren Kunden kommunizieren, da sie wissen, wie groß der durchschnittliche Warenbestand pro Quadratmeter sein sollte und welche Rentabilität zu erwarten ist. Die Spezialisierung der Edekabank auf den Einzelhandel bedeutet aber für Manegold nicht per se eine Risikokonzentration. "Unsere Differenzierung des Risikos besteht in der Differenzierung in der Fläche. Wir haben Kunden von Flensburg bis Passau - und die Menschen in unterschiedlichen Regionen haben unterschiedliche Anspruche an Essen und Trinken", sagt Manegold.
Die abgeklärte Herangehensweise der Bank weiß Unternehmer Schlickeisen zu schätzen. "Als ich meinen dritten Lebensmittelmarkt aufmachte, war klar, dass das die Rentabilitätsrechnung erst einmal belasten würde. Aber bei der Bank ist keiner nervös geworden." Schließlich sei die Investition für das gesamte Unternehmen sinnvoll gewesen.
Erfolg mit Exlstenzgründern
In puncto Geschwindigkeit konnte sich der Unternehmer auf seine Bank verlassen. Unerwarteterweise erhielt er Ende 2010 parallel für seine beiden Märkte auf dem Darß grünes Licht von den Ämtern für Erweiterungs- und Modernisierungsarbeiten. Auf jeweiIs 1200 Quadratmetern Verkaufsfläche erstrecken sie sich nun. "Da beide Märkte Saisonstandorte sind, musste es schnell gehen. Dank der zügigen Kreditbewilligung durch die Edekabank konnte ich die 1,5 Millionen Euro Investitionen innerhalb eines Vierteljahres durchziehen und war rechtzeitig vor der Sommersaison fertig", zieht Schlickeisen zufrieden Bilanz.
Aus dem ehemaligen Existenzgründer ist ein gestandener Unternehmer geworden, der in diesem Jahr auf einen Umsatz von 22 Millionen Euro kommt und seine Eigenkapitalquote innerhalb von sieben Jahren auf 55 Prozent erhöht hat - ein für den Einzelhandel extrem hoher Wert.
Der Erfolg des Unternehmers ist kein Zufall. "Wir sind in der Edeka eine der größten Existenzgründungsorganisationen in Deutsch-
land", sagt Edekabank-Sprecher Manegold. Zwischen 2005 und 2010 begleitete die Bank rund 800 Existenzgründungen im Lebensmittel-einzelhandel und unterstützte diese mit einem Investitionsvolumen von 450 Millionen Euro. Allein 2010 entfiel die Hälfte der Kreditzusagen in Höhe von 200 Millionen Euro auf Existenzgründungen.
Nach Einschätzung Manegolds zeigt der Trend für die Eigenkapitalausstattung der Edeka-Lebensmitteleinzelhändler seit Anfang 2000 nach oben. Das belegten Auswertungen der Kundenbilanzen. Die Eigenkapitalquote im Handel sei natürlich noch nicht so hoch wie bei produzierenden Unternehmen, aber die Schere werde immer kleiner. Das wirke sich natürlich auch positiv auf das Kreditportfolio der Bank aus. Die Bank beschäftigte Ende 2010 125 Mitarbeiter, die Bilanzsumme liegt bei 1,3 Milliarden Euro.
Nach dem "ausgesprochen gut" gelaufenen Geschäftsjahr 2010 erwartet Manegold für 2011 ein operatives Ergebnis in Vorjahreshöhe. Die Prognosen für die Branche sind nicht schlecht. So erwartet der deutsche Einzelhandel ein Wachstum von nominal 1,5 Prozent in diesem Jahr - mit einer Abschwächung im zweiten Halbjahr.
Philosophie der Bank sei es, die Geschäftsexpansion ohne Inanspruchnahme der Aktionäre zu finanzieren. Und auch die neuen Eigenkapitalanforderungen nach Basel III sollen aus eigener Kraft gestemmt werden. Aus diesem Grund werden Gewinne thesauriert - nach Zahlung einer Dividende.
Bank im Verbund
Genosssen Die Edeka-Gruppe gehört zu den 320 Verbundgruppen mit 230000 Unternehmen, die in Deutschland über den Mittelstandsverbund ZGV organisiert sind. Kooperierende Unternehmen gelten als unterdurchschnittlich insolvenzgefährdet.
Wettbewerber Einige Verbundgruppen betreiben bereits eigene Bankinstitute mit Vollbanklizenz. Dazu gehören neben der Edekabank auch der Handelsfinanzierer DZB Bank und die Etris Bank, die Anfang 2012 ihre Geschäfte aufnimmt. Die Etris Bank ist eine Tochter des Einkaufsbüros Deutscher Eisenhändler und soll für diese Branche Dienstleistungen erbringen.

